Arbeitslosenblock


16.1.2013, Mittwoch, vormittags

Gestern kam der Bescheid vom Arbeitsamt. Für die ersten acht Tage bekomme ich kein Geld wegen der Urlaubsabgeltung für meine Krankschreibung im Dezember und für die ersten neunzig Tage bin ich für Bezüge gesperrt, weil ich meinen Job selbst aufgegeben habe. Allerdings bekomme ich ab Februar meine Krankenversicherung voll bezahlt. Das ist also alles wie erwartet und nicht besser, aber immerhin belastet die Krankenversicherung nicht auch noch meinen Geldbeutel.
Mittags kamen Elas Eltern und wir haben ihre neue Kamera gekauft. Sie ging dann zu einem Termin, um ihr Projekt vorzustellen und ich ging zur Physiotherapie. Dieses Mal wurde ich richtig heftig durchgeknetet und bekam ein paar Knutschflecke auf dem Rücken verpaßt. Auch ein paar längliche Striemen habe ich, die durchaus von einer Peitsche stammen könnten. Aber leider habe ich keine Frau, die deswegen investigative Fragen stellen würde.
Elas Eltern blieben zum Abendbrot, Elas Bruder Oli kam auch und außerdem Hanne und Xiaoyu. Die Runde war also recht groß und war sehr amüsant. D___ hatte ich auch eingeladen, aber die hatte bereits eine Essensverabredung. Am Freitag wollen wir, Ela und ich, Hanne und Xiaoyu, zusammen Suppe kochen und dann einen Film gucken. Mal gucken, ob D___ das noch rechtzeitig liest. Sie hat keinen eigenen Internetanschluß und liest Mails immer nur, wenn sie bei ihrem Freund ist.
Heute nachmittag will ich mal wieder in den Buchladen. Montag war Buchklub, „Die Straße“ wurde wie zu erwarten war, nicht durchgängig für gut befunden und U___ meinte, ich sei schon lange nicht mehr im Laden gewesen und solle doch mal wieder kommen. Gestern traf ich auf der Straße auch Corina, die eigentlich eine treibende Kraft des Buchklubs ist, aber am Montag nicht da war. Ich hatte den Eindruck, daß sie ein bißchen beleidigt war. Weswegen weiß ich nicht genau - vielleicht weil U___, die die Kommunikation koordiniert, dabei etwas lax ist und sie möglicherweise mal in einer Mail vergessen hat, genau habe ich das aber nicht beobachtet - und es ist nur ein vages Gefühl. Zum nächsten Termin wird sie vermutlich auf Sri Lanka sein und auch nicht kommen.
Als nächstes wird der Buchklub „Die Wand“ von Marlen Haushofer lesen und besprechen. Der nächste Termin ist der 11. Februar. Das ist während der Berlinale, was aber niemanden stört.
Ich hatte „Die Wand“ schon beim letzten Mal vorgeschlagen, als der Wunsch aufkam, mal wieder was von einer Frau zu lesen. Damals gab es aber keine Mehrheit dafür, und da mir „Die Straße“ auch paßte, habe ich nicht weiter für „Die Wand“ gekämpft. Jetzt kam wieder der Wunsch nach einem Buch von einer Frau auf, und dieses Mal konnte sich das Buch durchsetzen.
Mit Ela habe ich gestern spät abends noch über eine Strategie dem Arbeitsamt gegenüber gesprochen, aber noch keine Entscheidung getroffen. Vermutlich werde ich einfach bis Mitte April, wenn ich den nächsten Termin mit meiner Arbeitsvermittlerin habe, meinen Lebenslauf dem modernen Geschmack entsprechende schreiben und eine Bewerbungsstrategie entwickeln, mir also ausdenken, bei welchen potentielle Arbeitsgeber ich mich bewerben werde. Viele Möglichkeiten, in dem Bereich zu arbeiten, in dem ich unter Umständen wirklich arbeiten wollen würde, sehe ich aber nicht. Falls man mir dann aufs Auge drücken würde, mich wieder in meinem angestammten Bereich zu bewerben, würde ich das vermutlich tun und darauf hoffen, keinen neuen Job zu finden. Zurück in den alten Trott will ich nämlich nicht. Das ist mir gestern abend in der Abendbrotrunde klargeworden. Ela hatte auch mal für meinen ehemaligen Arbeitgeber gearbeitet und Hanne und Xiaoyu tun es noch, weshalb wir gut über die aktuellen Zustände reden konnten. Ich hatte zuerst keine Lust, konnte dann aber sehr gut die Verhältnisse für mich und auch die anderen Zusammenfassen, vor allem konnte ich den eindeutigen Trend Richtung Abgrund ausmachen, von einer familiären Arbeitsatmosphäre vor zehn Jahren zu einer ausbeuterischen jetzt.
Arbeitslosenblock
13/321

voriger Eintrag



Info
spenden

anmelden


WERBUNG

von Gregor Alexander Piel · Programmversion 1.2.6 (21.9.2015)
das programm zur darstellung der seite benutzt php-sessions (zurücksetzen),
also einen cookie mit der session-id. eine javascript-anweisung wird benutzt, um die
bildschirmauslösung festzustellen. damit wird die darstellung für
kleine bildschirme verbessert.