Arbeitslosenblock


22.3.2013, Freitag, vormittags

Ich geisterte durch die Stadt, von Club zu Club, begegnete Leuten, denen ich in derselben Nacht schon begegnet war oder früher in meinem Leben. In einem Club wartete ich in der Schlange zum Klo und kam mit einen Mann ist Gespräch. Wir redeten über Literatur und als er mir eine Postkarte gab, auf der er mir seinen Namen und seine Emailadresse geschrieben hatte, sprach ihn jemand an, den man aus Radio oder Fernsehen kennen muß. Der schlug meinem Gesprächspartner, der wohl eine Berühmtheit sein muß, einen Auftritt in einer seiner Sendungen vor und entwickelte ganz spontan seiner Ansicht nach ganz tolle Ideen. Mein Gesprächspartner war davon aber gar nicht angetan und stutzte den Medienmenschen zurecht, sagte, seine Vorstellungen würden ganz anders aussehen und er solle sich seine Ideen an den Hut stecken, aus dem Auftritt würde nichts werden.
Als ich endlich kurz davor war, aufs Klo zu kommen, rief mir eine sehr zierliche, hübsche junge Frau meinen Namen zu. Ich wußte nicht, woher sie ihn kannte und ob sie mich verarschen wollte oder mich mochte. Ich aber ging auf das dreckigste Klo, das ich jemals gesehen hatte, und wachte auf, bevor ich es wieder verlassen konnte.
Ela hätte mir den Traum interpretieren können, aber ich glaube wir kamen vom Thema ab, vermutlich weil sie sagte, ich hätte geträumt, was sie wirklich erlebt hätte. Nadine und sie erzählten etwas von einem Argentinier, was ich aber nicht wirklich hören wollte und vom Rest der Nacht. Wir kamen noch einmal auf das gestrige Gespräch, Ela sagte, ich soll nicht den Abschied so sehr in den Vordergrund stellen, sondern lieber die neuen Möglichkeiten willkommen heißen. Und Nadine deutete an, daß sie meine Wohnung übernehmen würde, oder sich zumindest einmieten wolle. Wie ernst das zu nehmen ist, wird sich vielleicht zeigen, vielleicht auch nicht. Ich habe keine Vorstellung davon, was aus meinem verrückten Leben wird. Wir aßen Schokoladenkuchen und versuchten mit Hilfe des Internets unsere Handlinien zu interpretieren. Einige Dinge paßten, andere nicht, aber wir fanden unsere Sexlinien. Ich fand einen Schatten, was vielleicht schon eine passende Aussage ist, aber die Frauen fanden keinen, obwohl da einer sein müßte. Spätestens da verlor das Spiel seinen Reiz.
Aber immerhin habe ich etwas gelernt, eine Weisheit, die Nadine in die Runde schmiß als sie den Schokoladenkuchen aus dem Kühlschrank holte: Der einzige Unterschied zwischen Sex und Essen sei, daß man von dem einen dünner und dem anderen dicker wird.
Heute hatte ich eigentlich vor, zu einem Lesezirkel zu gehen, der bei Hanne stattfinden sollte, doch der wurde zu ihrer Schwester verlegt, was bei mir nicht angekommen war, so daß ich keine Lust mehr habe hinzugehen. Hanne meinte deshalb bei der Verabschiedung, wir würden uns nächste Woche, vor Ostern noch sehen. Vielleicht kommt sie ja mal abends nach der Arbeit vorbei.
Ich könnte heute weiter in „Nachhinein“ lesen, habe aber nicht wirklich Lust, das Buch begeistert mich nicht wirklich. Vielleicht räume ich ja die Bibliothek um, in der jetzt ein Sofa fehlt und deshalb fehleingerichtet aussieht. Aber ich habe noch keine Vorstellung von der neuen Raumordnung, so daß ich vielleicht nach einer Dusche einfach in den Buchladen gehe.
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von Gregor Alexander Piel · Programmversion 1.2.6 (21.9.2015)
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